
Leseschnipsel aus dem Kurs "Kreatives Schreiben"
2. Aufgabe beim Kurs Kreatives Schreiben zum Thema: Spannungsaufbau.
Fast geräuschlos und unendlich langsam zog Helmut die Schublade auf und legte das Tuch beiseite, dass über dem Werkzeug lag, fein säuberlich lagen einzelne Teile nebeneinander wie ein wertvoller Schmuck. Helmut lächelte. „Mein Werkzeug“, dachte er. „Für meine Kunst. Kunst, die nie einer verstehen wird.“
Er nahm ein Taschentuch, das auf der staubfreien Kommode lag und wischte sorgsam, man konnte meinen, genüsslich, die rote, noch leicht klebrige Substanz vom Seziermesser ab.
Dann legte er es fast liebevoll an den freien Platz neben anderen diversen Werkzeugen, die er fast alle schon benutzt hatte, die jeglicher Phantasie Raum boten.
Fast zärtlich strich er mit den Fingerspitzen über sein, wie er es nannte „Werkzeug der außergewöhnlichen Art“. Er war so ganz bei sich, in sich versunken und in einer eigenen Welt, die er sich erschaffen hatte. Dort musste er sich nicht verstecken, dort brauchte er keine Rollen spielen.
„Gott, wie ich es hasse“, dachte er, „immer wieder und wieder in meine erwartete Rolle schlüpfen zu müssen.“ Er fühlte sich dann wie eine Figur, die wie beim Schach hin- und hergeschoben wird. Wie eine Marionette, die von unsichtbaren Fäden von außen bei jedem einzelnen Schritt, den er machte, gelenkt wird.
Er starrte auf seine Hände.
Plötzlich klingelte es an der Haustür. Er zuckte zusammen und erwachte aus seiner Gedankenwelt.
„Ich komme gleich.“, rief er und hörte schon seine jugendliche Tochter Jessica zur Tür laufen, diese öffnen und ein folgend ein distanziertes „Hallo“. Seine Mutter Eva war gekommen.
„Scheiße“, murmelte er. Er verschloss schnell die Schublade der Kommode und steckte den Schlüssel in seine Hosentasche. Dann stellte er sich vor den Schrankspiegel und sah sich flüchtig an. Ein diabolisches Funkeln in den Augen, machtvoll und überlegen, ließ nochmal kurz seinen wahren Charakter auflodern. Er seufzte tief, zog sein Jackett gerade, rückte die Krawatte zurecht und wandte sich zur Tür. Dann trat er aus dem Zimmer hinaus und schloss die Tür hinter sich.
Dort lehnte er sich mit beiden Händen auf das Geländer und blickte nach unten in den Flur. Im gleichen Augenblick schaute seine Mutter nach oben. Ihre Stimme erhob sich zeternd und sie schoss ohne Ankündigung giftige Kommentare los, wie immer.
„Ach, kommt der Herr Sohn auch mal, um seine alte Mutter zu begrüßen? Du bist so ein respektloser Nichtsnutz. Wieso bist du eigentlich schon zu Hause?“
Sie hing ihren Mantel unaufgefordert an die Garderobe.
„Hättest du einen ordentlich bezahlten Job, dann wärest du jetzt bei der Arbeit und nicht schon hier, wo du dich verkriechen kannst.“ Sie stemmte ihre Fäuste an die Hüften.
„Was bist du nur für ein schreckliches Vorbild für deine Tochter, nicht zu reden von der Schande für mich. Eindeutig: Das kannst du nur von deinem Vater haben, der war auch so ein Versager wie du.“
Helmuts Finger krallten sich in das Holz, bis die Knöchel weiß hervortraten. Er schwieg und biss die Zähne so fest aufeinander, dass seine Kiefer schmerzten.
Wie ich sie hasse. Alleine ihre Stimme zu hören, ich könnte kotzen, dachte er.
„Was ist nun?“, meckerte sie weiter, „kommst du endlich herunter und bietest mir wenigstens einen Kaffee an?“
„Aber natürlich, Mutter“, antwortete er mit verkrampften Kiefermuskeln. Er lächelte ein Lächeln, das seine Augen nicht erreichte und behielt seine gewohnt devote Haltung.
Rasch lief er die Treppe hinunter und deutete eine Umarmung der Mutter an. Sie roch widerlich, nach ihrem ewig gleichen Parfüm. Helmut hielt den Atem an. Sie riecht nach Moder und Tod, jedes Mal mehr, dachte er. Eine zusätzliche Übelkeit machte sich in seinem Körper unangenehm bemerkbar. Er schluckte sie hinunter. Bloß nicht schwach werden, mahnte er sich.
„Geh doch ruhig schon mal ins Wohnzimmer und setz dich. Ich setze Kaffee auf“, bot er seiner Mutter Eva an. Helmut ging in die Küche, füllte die Kaffeemaschine, stellte Geschirr, Milch und Zucker zusammen. Dann stemmte er seine Arme auf dem Küchentresen ab und starrte auf den Kaffee, der in die Kanne proddelte und beobachtete, wie leichter Dampf aufstieg.
Eva plapperte unaufhörlich. Wie gewohnt, prallte es an ihm ab.
Helmuts Tochter Jessica verabschiedete sich, da sie zum Sport wollte. Als die Tür ins Schloss gefallen war, reifte in ihm ein spontaner Plan.
Er entschuldigte sich kurz mit den Worten, dass er zur Toilette müsse, die sich im ersten Stock befand. Helmut nahm beherzt die Stufen nach oben, betätigte nach kurzer Zeit die Spülung, ebenso den Wasserhahn und schlüpfte dann in sein Arbeitszimmer. Dort zog er aus seiner Aktentasche ein ca. 60 cm langes und dünnes Stahlseil hervor. Er wischte es mit einem Taschentuch trocken, indem er das dünne Stahlseil einmal hindurch zog. Rötlich färbten sich Abdrücke hinein. Er knüllte das Taschentuch zusammen und warf es in den Papierkorb. Dies verstaute er in seinem Jackett und eilte nach unten.
„Ich bringe den Kaffee zu dir!“, rief er in Richtung Wohnzimmer und wunderte sich, dass es plötzlich so still war.
Er blickte ins Wohnzimmer hinein. Seine Mutter saß auf dem altbackenen braunen Sofa, das schon an den Seiten und an der Rückseite ausfranste.
Eva musste wohl eingeschlafen sein und schnarchte leise vor sich hin. Auch die Kaffeemaschine gab nur noch unregelmäßig leise zischende Geräusche von sich.
Seine Sinne waren nun gespannt wie bei einem Raubtier. Schon fühlte er sich in seinem Element. Seinem wahren Element. Ruhig, dachte er sich, ruhig …
Er goss den Kaffee in eine Kanne, und stellte alles auf ein Tablett und fügte noch Gebäck hinzu. Dann trug er sein Arrangement ins Wohnzimmer. So lautlos wie möglich stellte er die vorbereiteten Sachen auf den Tisch und beobachtete seine Mutter. Dann ging er vorsichtig um das Sofa herum.
Eva schlief tief und fest, hin und wieder schnarchte sie laut auf.
Helmut schloss leise das auf Kipp gestellte Fenster. Dann holte er mit zitternden Fingern vorsichtig das Stahlseil aus seinem Jackett, wickelte es mit beiden Enden um seine Handgelenke und Finger. Er legte es vorsichtig von vorn um den Hals seiner Mutter.
Speichel tropfte aus seinem Mund und rote Flecken der freudigen Erregung prangten auf seinem Gesicht und überdeckten den Hals. Und nicht nur das. Er fühlte seine lustvolle Erregung durch die wachsende Erektion, die seine Hose ausbeulte.
Abrupt zog er mit voller Kraft an beiden Enden zu.
Die Todgeweihte riss die Augen auf, versuchte zu schreien, griff sich an den Hals, strampelte verzweifelt mit den Beinen. Die Augen quollen hervor, sie röchelte und kämpfte um ihr erbärmliches Leben. Nach dreißig Sekunden erschlaffte sie. Erst jetzt merkte Helmut, wie angestrengt er war und ließ lockerer, als er kaum noch Gegenwehr spürte. Dann zog er abrupt wieder zu. Sein Adrenalin puschte seine Kraft in die Höhe. Evas Körper erschlaffte nun ganz und fiel in sich zusammen.
Helmut zitterte vor Kraftanstrengung. Er ließ das Seil los, das sich tief in die runzelige Haut seiner verhassten Mutter geschnitten hatte und blutige Abdrücke hinterließ.
Und dann kam sie … die Erleichterung … die Befriedigung … die Befreiung.
Ich habe es geschafft, endlich! Endlich habe ich Ruhe vor ihr, dachte er.
Er konnte es kaum glauben, stellte sich vor sein Werk und betrachtete Eva, die ihn mit hervorgequollenen blutunterlaufenden Augen vorwurfsvoll anstarrte. Selbst jetzt noch!
Helmut nahm in gemächlicher Ruhe eine Kaffeetasse, füllte sie mit Kaffee, Milch und Zucker, rührte um. Dabei sah er Eva ins Gesicht und betrachtete ihren schlaffen hässlichen Körper.
Vielleicht ist doch noch Leben in ihr, dachte er und schüttete das heiße Gebräu mit einer diabolischen Fratze in Evas Gesicht. Doch sie rührte sich nicht.
Helmut zuckte zusammen. War da eine Bewegung vor dem Fenster? Er blickte auf die Gardinen … und schaute direkt in die vor Entsetzen weit aufgerissenen Augen seiner Tochter, die außerhalb des Fensters stand.
Schreckensbleich im Gesicht hielt sich Jessica voller Schock die Hände vor den Mund, unfähig zu schreien. Starr vor Schreck fand sie dann doch die Kraft, sich vom Fenster abzustoßen und stolpernd fortzulaufen.
Von tief innen wütete sich plötzlich Helmuts langunterdrückter Hass durch seinen Körper hinauf und spie wie Feuer aus ihm heraus. Er fühlte sich mächtig, so ganz in seinem Element, sein gesamter Körper kribbelte vor Erregung und Energie. „Das jetzt, das bin ich“, raunte er mit einer tiefgrollenden Stimme.
„Ja, lauf nur“, knurrte er. „Ich finde dich …“