Leseschnipsel 008 Entwurf

Leseschnipsel aus dem Kurs "Kreatives Schreiben"

8. Aufgabe Leseschnipsel: Spannungsaufbau/Cliffhänger/Krimi 

Leseschnipsel 8

Polizeianwärterin Lara steht etwa fünf Meter von ihrem Kollegen Ray entfernt in der Küche und stützt sich am Küchentresen ab. 

Sie sieht ihn an, überlegt, wie sie ihn unverfänglich auf den damaligen Fall ansprechen kann. Ganz beiläufig, denkt sie. Unauffällig muss es sein. Ein Test. 

Sie weiß, dass nur der Täter das fehlende Detail wissen kann, in der Akte ist nichts vermerkt, was darauf schließen lässt. Ihre Gedanken zerren sie hin und her.  

Wenn er es wirklich ist … ich muss ihn dann festnehmen, denkt sie. Aber er ist mein Kollege. Wird man mir glauben? Und was macht das mit Anna? Sie ist nicht nur meine beste Freundin, sie ist auch die Ziehtochter von Ray. Verflucht! 

Noch nie ist sie so zerrissen gewesen. Die Wahrheit ans Licht bringen oder schweigen? Vielleicht ist sie auch auf einer falschen Fährte und hat sich in ihre fixe Idee verrannt? 

Sie flucht innerlich. Scheiß Job. Sie atmet durch. Dann blickt sie ihm in die Augen und versucht, mit ruhiger Stimme zu sprechen: „Ray. Sag mal, wie war das eigentlich damals, als du in das Haus von Annas Vater hineingelaufen bist? Woher wusstest du denn, wo der Haustürschlüssel war?“ 

Ray starrt sie einen Augenblick an, fasst sich dann schnell wieder.  

Er zieht sein Pokerface an wie eine zweite Haut, denkt Lara.  

„Es ist ja lange her“, beginnt er wie beiläufig zu erzählen und schiebt die Blumenvase auf dem Küchentresen etwas zur Seite.  

„Simon, Annas Vater war ja auch mein Freund. Einige Tage vor dem Brand hatte er mir beiläufig erzählt, dass sie den Ort des Versteckes gewechselt hatten. Es gab derzeit in der Gegend eine Einbruchserie. Ich war häufig bei ihnen zu Hause, wir waren schließlich Freunde. 

Mmmhh“, murmelt Lara und geht durch den Raum. Sie blickt sich um und zieht die Schublade einer Kommode auf, die sich nun vor ihr befand. Betont ruhig sagt sie: „Anna sprach von einer Schublade. Da hätte sie es deponiert. Du weißt nicht zufälligerweise, wo?“ 

Ray setzt sich bewusst entspannt auf einen Stuhl, lächelt, schlägt die Beine übereinander, faltet seine Hände. Er beobachtet seine junge Kollegin Lara, die mehrere Schubladen aufzieht und durchsucht. 

Aus dem Nichts heraus fragt er: „Sag mal, was hast du eigentlich gegen mich?“ 

Lara fängt an zu schwitzen. Wie Raubtiere, die sich umschleichen, denkt sie. 

„Warum? Was soll ich gegen dich haben?“, antwortet sie und fasst unter die oberste Schublade, löst zwei Klebestreifen und zieht einen Umschlag hervor. 

Sie wendet ihn in der Hand und öffnet den Umschlag. Rays entspannte Position hat abrupt gewechselt. Leicht nach vorn gelehnt schaut er auf den Gegenstand in Laras Händen. 

Rays Daumen der gefalteten Hände umkreisen sich. Langsam, dann schneller. 

Als Lara das Foto im Kuvert erblickt, weicht ihr das Blut aus dem Gesicht. Sie starrt es fassungslos an. In Sekundenschnelle setzt sie die Puzzleteile zusammen.  

Ihr Körper duckt sich instinktiv in Angriffsstellung, bereit für den Kampf.  

Ray steht plötzlich neben ihr. 

Mit weit aufgerissenen Augen blickt sie ihn an. Jetzt versteht sie!!! 

 

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